Osterholz-Benediktinerinnen

Photo: CWitte, 2005, CC BY-SA 3.0

Osterholz - Benediktinerinnen, später ev. Damenstift

Existenz: 1182 bis 1650
Heutiges Gebiet: Stadt Osterholz-Scharmbeck, Landkreis Osterholz
Orden/Art: Benediktinerinnenkloster
Damalige kirchliche/weltliche Zugehörigkeit: Erzdiözese Bremen; Herzogtum Bremen-Verden (Schwedisch)

1182 gründete der Bremer Erzbischof Siegfried mit seinem Verwandten, dem Mönch Eylard aus dem Stift St. Paul in Bremen, das Kloster Osterholz. Eylard wurde als erster Propst eingesetzt, im Folgenden sollte der Konvent den Propst frei wählen. 1185 erfolgte durch Erzbischof Hartwig II. die Ausstattung des Klosters mit Gütern und Rechten. Der Erzbischof besaß ein Zustimmungsrecht bezüglich der Verwaltung des Klostergutes. 1197 wurde die Klosterkirche zu Ehren der Muttergottes geweiht, 1273 auch des Evangelisten Johannes. Das Kloster besaß ein Hospital.
Der Konvent bestand aus 10-17 Personen, die vorwiegend dem Landadel oder dem Bremer Bürgertum entstammten. Er wurde von einer Priorin (seit 1521: Domina) geleitet. Die Pröpste waren Geistliche aus Bremen, Mönche von St. Paul oder Domherren und standen dem Erzbischof nahe.1505 wurde eine neue Klosterordnung eingeführt und 1514 trat das Kloster der Reformverbindung der Bursfelder Union bei.
Neben der umfangreichen Gründungsausstattung konzentrierte sich der Besitz um Hof und Kirche in Scharmbeck. Dazu zählten die Orte Oldenbüttel, Lintel, Scharmbeckstotel und Worpswede, im Norden reichte er bis Wallhöfen, Ohlenstedt und Hambergen. Er erstreckte sich mit Neuenkirchen, Rade und Stellerbruch bis an die Weser. Im Weserraum waren zentrale Besitzungen u.a um Hinnebeck und Lübberstedt, Donnern, Frelsdorf und im Stedinger Land um Berne, Bardenfleth und Lemwerder angesiedelt. Größere Eingenbewirtschaftung scheint nicht stattgefunden zu haben. Das Kloster besaß Mühlen direkt beim Kloster in Osterholz, in Sandbeck, Lübberstedt  und Bullwinkel, Mühlrecht außerdem in Osternheide. Außerdem erhielt es den Schiffszoll in Elfershude und verfügte über Teiche in Bredbeck sowie Fischrechte in der Hamme. 1541 gab das Kloster das Patronat über die Kirche von Hambergen als Lehen aus.
Unter der Herrschaft Erzbischof Christophs von Braunschweig-Wolfenbüttel litt das Kloster schwer unter Mittelabflüssen und prozessierte 1529 erfolgreich gegen ihn wegen seines Versuches den Propst Johann Wiedenbrügge abzusetzen. Zwischen 1525 und 1537 wichen die Nonnen nach Bremen aus, danach lebten zunächst katholische und protestantische Nonnen nebeneinander.
1550 wählte man den ersten evangelischen Propst. Im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Kloster zwischen 1630 und 1633 mit katholischen Nonnen aus Bremen unter einer Domina besetzt, danach kehrten die evangelischen Nonnen zurück. 1647 übertrug Königin Christine von Schweden das Kloster dem dem Landgrafen Friedrich zu Hessen-Eschwege als Lehen, als 1650 der Konvent auf seine Rechte verzichtete, war das Kloster damit aufgelöst. Die Klosterkirche ist erhalten. Zwei der drei historischen Glocken aus dem abgerissenen Südturm gelangten in die Kirche nach Worpswede, eine nach Gnarrenburg. Kunsthistorisch bedeutsam sind zwei Sandsteinreliefs (heute im Hauptschiff der Kirche) aus dem 16. Jahrhundert.

Literatur: Horst-Rüdiger Jarck, Artikel Osterholz - Benediktinerinnen, später ev. Damenstift, in: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, herausgegeben von Josef Dolle unter Mitarbeit von Dennis Knochenhauer, (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen Band 56,1), Bielefeld 2012, S. 1231-1237

Germania Sacra: 873

GND: [4300620-6]

FemMoData: 1604

Bearbeiter: Aaron Schwarz