Bursfelde - Benediktinerkloster

Photo: Klosterkammer, Dr. Jens Reiche

Bursfelde – Benediktiner

Existenz: 1093 bis 1639
Heutiges Gebiet: Stadt Hann. Münden, Landkreis Göttingen
Orden/Art:; Benediktinerabtei.
Damalige kirchliche/weltliche Zugehörigkeit: Erzdiözese Mainz; Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel.

Bursfelde wurde 1093 als Hauskloster und Grablege von Graf Heinrich dem Fetten von Northeim und seiner Gattin gegründet und mit Mönchen aus Corvey besetzt. Heinrich der Löwe bestätigte 1144 Bursfeldes Immunität im engeren Klosterbereich sowie das Mitbestimmungsrecht des Abtes bei der Wahl des Untervogtes, beanspruchte aber die Herrenvogtei.
1323 erhielt Bursfelde den Ort Bleicherode und errichtete dort eine Zelle unter der Leitung eines Priors, die 1456 wieder aufgelöst wurde. Bursfelde verfügte über Tauf- und Begräbnisrecht, durfte Pfarrkindern anderer Pfarreien die Sakramente spenden und diese im Todesfall auch bestatten. Um klösterliche Eigenkirchen ohne Pfarrrechte handelte es sich vermutlich bei den Kirchen in Bischhausen und in Kelbra. Inkorporiert waren die Kirchen in Lipprechterode und in Heisebeck. Ferner erwarb das Kloster das Patronatsrecht der Pfarrkirchen in Ellershausen (1271) und in Bleicherode (1323) und erhielt 1271 die Erlaubnis, in Ellershausen eine Kapelle zu errichten.
Der Bursfelder Kernbesitz umfasste die beiderseits der Weser gelegenen ehemaligen Landgüter des Albert von Werder. Dessen Bruder Liudolf schenkte dazu Höfe und Güter in den nahe gelegenen Orten Dransfeld, Werden, Friedershausen, Barterode sowie in Berka (Landkreis Northeim), Wendhausen (Landkreis Helmstedt) und Herste (Kreis Höxter). Dazu kamen jeweils ein Hof in Bischhausen (bei Witzenhausen), Lienen (Landkreis Steinfurt) und Wicheln (bei Arnsberg). Im 12./13. Jahrhundert erstreckte sich der Besitz auf einer Länge von zehn Kilometern von Löwenhagen (Nieme) bis Weißehütte (Weser) und umfasste Ackerland, Wiesen und Gartenland. Ländereien in der Grafschaft Hohnstein (Harz) bildeten einen zweiten Schwerpunkt. Ein dritter Komplex umfasste Besitzungen an der Werra um Eschwege und Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis). Bursfelde verfügte seit 1257 über Fischfangrechte auf der Weser von der Furt Heimbeck bis zu dem Ort Redersich und seit 1456 auf der Nieme von ihrer Mündung in die Weser bis Löwenhagen. Zudem besaß das Kloster Weide- und Holzschlagrechte im Reinhards- und Bramwald. Im 13. Jahrhundert wurden die Meier zu freien Pächtern, die vom Kloster kleinere Anteile erhielten. Auch die Salzhütten in Sooden wurden einzeln verpachtet. 1233 schenkte Herzog Otto das Kind Bursfelde dem Mainzer Erzbischof Siegfried III. 1434 wurde auch der gesamte Besitz des Klosters an Mainz verpfändet. Aus dem 13./14. Jahrhundert sind für Bursfelde sowohl welfische als auch mainzische Schutzurkunden erhalten. Nach 1462 werden nur noch braunschweigisch-lüneburgische Schutzbriefe überliefert. Das dem jahrzehntelangen Verfall überlassene Bursfelde wurde unter Johannes Dederoth 1433 umfassend reformiert. Zu den Klosterämtern gehörten: Abt, Prior, Cellerar/Kellner und Koch.
Die Klöster Bursfelde, Clus und Reinhausen schlossen sich 1435 zu einem Reformverband zusammen mit dem Ziel, die Einhaltung der Benediktsregel sowie der Gelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam wieder zu stärken. Ferner verpflichteten sich die Klöster zur Befolgung gemeinsamer Vorschriften hinsichtlich Liturgie, Lebensweise, Kleidung und Amtsführung. Offiziell wurde die sog. Bursfelder Kongregation von Kardinal Ludwig d’Allemand 1446 anerkannt. Die Äbte Heinrich Ohm (1502-1534) und Reiner (1534-1539) bauten Bursfelde zum Mittelpunkt der Kongregation aus.
1542 wurde die Reformation eingeführt. Am 8. Juli 1585 wurde der vormalige Prior Melchior Böddeker zum evangelischen Abt von Bursfelde gewählt, ohne Mitwirkung der Kongregation, auch blieb der Konvent katholisch. Seit 1672 war der Abt von Bursfelde nur noch eine evangelische Pfründe ohne Konvent und Residenzpflicht. Unter dem 1818 ins Leben gerufenen Allgemeinen Hannoverschen Klosterfond wurde es als Klosteramt von der Klosterkammer verwaltet. 1931 erlangte die Theologische Fakultät der Universität Göttingen das Besetzungsrecht für die Abtsstelle. Der Senior der Theologischen Fakultät wurde von nun an zum Abt von Bursfelde ernannt. 1978 wurde das Tagungszentrum Kloster Bursfelde errichtet.
Erhalten ist die Klosterkirche als dreischiffige, romanische Säulen-Pfeiler-Basilika mit Balkendecke sowie dreischiffigem, flachgedeckten Langhaus mit westlicher Zweiturmanlage und Chor. In den zwei Westtürmen hing jeweils eine Glocke. 1322 erfolgte der Guss der kleineren Glocke, deren Verbleib unbekannt ist. Die zweite Glocke wurde 1393 von Meister Nikolaus von Stettin gegossen. Auf Veranlassung von Abt Carl Stange wurde die Stundenglocke aus dem Königsberger Dom, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Hamburger „Glockenfriedhof “ lagerte, aufgehängt. In der Kirche befindet sich ein spätgotischer Stiftersarkophag mit Deckplatte für Graf Heinrich von Northeim (11. Jahrhundert), ein bisher nicht erforschtes Inschriften- und Wandmalerei-Programm in der Westkirche sowie in der Ostkirche Chorarkaden mit zwölf monumentalen Heiligen- und Apostelfiguren unter Baldachinen zwischen den Fenstern. Inschriften: DI 66, Nr. 8, Nr. 20, Nr. 47, Nr. 59, Nr. 147.

Literatur: Anja Freckmann, Artikel Bursfelde – Benediktiner, in: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, herausgegeben von Josef Dolle unter Mitarbeit von Dennis Knochenhauer, (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen Band 56,1), Bielefeld 2012, S. 280-293.

Germania Sacra: 357

GND: [4197562-5]

Bearbeiterin: Leonie Bunnenberg