Weende - Augustinerchorfrauen St. Nikolai


Kirche Nikolausberg, Photo Hessmann, 2004 CC BY-SA 3.0

Weende - Augustiner-Chorfrauenstift St. Nikolai

Existenz: 1180 bis 1640
Heutiges Gebiet: Stadt Göttingen, Landkreis Göttingen
Orden/Art: Augustiner-Chorfrauen
Damalige kirchliche/weltliche Zugehörigkeit: Erzdiözese Mainz, Herzogtum Braunschweig-Lüneburg/Fürstentum Göttingen

Ein Gründungsdatum ist unbekannt, aber aus der Verlegung des Stifts um 1180 von Nikolausberg nach Weende schließt man gemeinhin, dass es wenige Jahrzehnte zuvor in Nikolausberg gegründet worden war. Die Gründungslegende schreibt den Einwohnern des späteren Nikolausberg und dem Adligen Johann Swanrige die Errichtung der Kirche zu, an der der Mainzer Erzbischof ein Stift gegründet habe. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatte das Kloster bis zu 40 Stiftsfrauen, die z.T. dem regionalen Adel und zum Teil städtischer Oberschichten, insbesondere aus Göttingen, entstammten. In der Zeit zwischen 1542 und 1588 sank die Zahl der Konventualinnen von 23 auf sieben. Der Konvent wurde von einer Priorin bzw. Domina geleitet. Nach dem Vorbild der Windesheimer Kongregation wurde das Stift zwischen 1462 und 1501 reformiert. Der Abt von Bursfelde visitierte das Stift Ende des 16. Jahrhunderts regelmäßig. Das Stift besaß die Pfarrechte in Nikolausberg. Ihm wurden 1267 die Petrikirche in Weende und 1287 die Kirche in Obernjesa inkorporiert. Die Nikolaikirche in Nikolausberg war insbesondere im 15. Jahrhundert regionales Wallfahrtsziel. Ob die Vorsteherin der Krankenstube um 1500 auf ein Hospitalbetrieb, auch im Hinblick auf die Pilgerversorgung in Nikolausberg hindeutet, ist unsicher.
Das Stift verfügte bereits aus der Gründungszeit über Grundbesitz in Nikolausberg und in Weende, wo es im 14. Jahrhundert der größte Grundbesitzer war. Später erhielt das Stift zusätzlich Grundbesitz und andere Rechte in Reinshof, Obernjesa und Klein Schneen. In mehreren Wäldern der näheren Umgebung besaß es Nutzungsrechte. In Reinshof betrieb das Stift ein Vorwerk mit einer Mühle. Weitere Mühlen wurden auf dem Wirtschaftshof in Weende, sowie dort auch die Klostermühle und Mittelmühle, in Rosdorf und in Obernjesa betrieben. Der klostereigene Wirtschaftshof in Weende wurde im Gegensatz zu den Vorwerken durchgehend als Eigenbetrieb geführt. Im 16. Jahrhundert betrieb das Stift eine Ziegelei. Nach erstmaliger Einführung der Reformation erhielt das Stift einen landesherrlichen Verwalter. 1629 wurde der Besitz des Stifts der Universität Helmstedt übertragen. Heute gehören die Liegenschaften der Klosterkammer Hannover.
1542 wurde die Reformation eingeführt, stieß jedoch auf Widerstand der Stiftsfrauen. Unter Herzog Erich II. wurde das Stift 1547 rekatholisiert, erneut 1629, bevor es mit dem Tod der letzten Stiftsfrau um 1640 aufgelöst wurde. Die Kirche Nikolausberg ist heute mit romanischen Teilen erhalten, während von den Stiftsgebäuden in Weende nur noch Teile der Umfassungsmauer erhalten sind. Der romanische Bauschmuck in Nikolausberg ist mit seinen Anklängen an Königslutter kunstgeschichtlich bemerkenswert. Hierzu gehören die Vierungspfeiler und Reste romanischer Malerei auf dem Triumphbogen. Dokumentierte Inschriften: DI 19 Nr. 45, 58, 90, 109 (Weende) bzw. 9 (Nikolausberg).

Literatur: Hildegard Krösche, Artikel Weende - Augustiner Chorfrauen, in: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, herausgegeben von Josef Dolle unter Mitarbeit von Dennis Knochenhauer, (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen Band 56,1), Bielefeld 2012, S. 1498-1505.

Germania Sacra: 909

GND: [7721780-9]

FemMoData: 1521

Bearbeiter: Niels Petersen